Österreich könnte ab 2027 ohne Gas aus Russland auskommen © REUTERS / Dado Ruvic / Illustration
Österreich könnte ab 2027 ohne russisches Gas auskommen. Dazu müssten allerdings der Gasverbrauch gesenkt, alternative Importe gesteigert und die Produktion von Biogas und grünem Wasserstoff ausgebaut werden.
Ab 2027 könnte Österreich ohne russisches Gas auskommen. Das zeigt eine vom Umweltministerium in Auftrag gegebene Studie der Energieagentur. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Gasverbrauch bis dahin jedoch um ein Viertel gesenkt werden. Alternative Importe sollen temporär verdreifacht und die Biogas- und grüne Wasserstoffproduktion massiv ausgebaut werden. Die Gasförderung selbst soll unverändert bleiben.
Es seien „Anstrengungen“ erforderlich, um das russische Gas bis 2027 auslaufen zu lassen
Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, weist darauf hin, dass die seit Jahrzehnten gewachsene Abhängigkeit von Russland weder sofort noch kurzfristig zu ändern sei. Bis 2027 soll dies jedoch „durch eine nationale und internationale Anstrengung“ möglich sein. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Vervielfachung der Gaspreise in vielen Sektoren zu einem Rückgang des Gasverbrauchs führen wird. „Die genaue Berechnung der Verbrauchsreduzierung ist aufgrund dieser beispiellosen Preisexplosion nicht seriös“, sagt er. Die Energieagentur geht davon aus, dass die Energiepreise mittelfristig hoch bleiben werden und es weiterhin Anreize geben wird, den Gasverbrauch zu senken und auf erneuerbare Energien umzusteigen.
“Jeder Gaskessel, den wir austauschen, macht uns unabhängiger”
Auf dieser Analyse will Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) die Regierungsarbeit aufbauen. „Wir müssen aus dem russischen Gas raus. Das ist die einzig richtige Antwort auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Wir können nicht ignorieren, dass dieser Ausstieg nicht über Nacht geschehen wird“, sagte Gewessler. Aber „jede Gastherme, die wir tauschen, macht uns unabhängiger.“ Österreich muss die eigene Produktion von Biogas und grünem Wasserstoff steigern, aber auch neue Lieferländer erschließen – von Norwegen bis Katar. Damit engagiert sich Österreich stark im EU-Gasbinnenmarkt. Österreich benötigt derzeit 89 Terawattstunden (TWh) Gas pro Jahr. Davon werden 63 TWh aus Russland importiert, 10 TWh werden in Österreich subventioniert und der Rest (16 TWh) wird aus anderen Ländern importiert.
Gasimporte aus anderen Ländern sollen russisches Gas überflüssig machen
Das Energy-Service-Szenario prognostiziert, dass der Verbrauch in Österreich bis 2027 um ein Viertel auf 67 TWh sinken wird. Die Gasimporte aus dem Ausland sollen sich inzwischen auf 50 TWh verdreifacht haben, unverändert könnten nun 10 TWh der Gasproduktion um 7 ergänzt werden TWh „österreichisches“ Ökogas. Gasimporte aus Russland werden in fünf Jahren unnötig sein. Nach Berechnungen des Energieservice wird der Gasverbrauch bis 2030 weiter auf nur noch 60 TWh sinken. Die Produktion von Biomethan (10 TWh) und grünem Wasserstoff (4 TWh) wird weiter zunehmen, sodass die Importe aus anderen Ländern auf 36 TWh sinken könnten. Da Österreich bis 2040 klimaneutral werden will, erinnert der Energieservice daran, möglichst bald auf den Import von erneuerbaren Gasen wie grünem Wasserstoff zurückzugreifen.
Das größte Sparpotenzial in österreichischen Haushalten
Das größte Potenzial zur Senkung des Gasbedarfs liegt im forcierten Gasausstieg für Raumheizung und Warmwasser. Damit könnte der Verbrauch laut Energiedienst bis 2030 um 9 TWh gesenkt werden. Die Hälfte der derzeit 1,2 Millionen Gasheizungen könnte bis 2030 ersetzt werden, hauptsächlich durch Wärmepumpen, Fernwärme und Biomasseheizungen. Durch die schnelle Gebäudesanierung werden weitere 1 bis 2 TWh Gas eingespart. In Industrie und Gewerbe könnten im Prozesswärmebereich 6 TWh Gas ersetzt werden. Durch Effizienzgewinne in der Industrie könnten weitere 4 TWh eingespart werden. Der Ersatz von Gaskraftwerken durch Strom aus erneuerbaren Quellen könnte 4 TWh einsparen, die Nutzung von Geothermie 2 TWh, die effizientere Nutzung von Biomassekraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung und die Umstellung auf effizientere Geräte je . TWh. Die Analyse der Energieagentur identifiziert nicht die Quelle der zusätzlichen Gasimporte. Generell sollten die Importmengen aus Norwegen „erhöht oder durch neue Importrouten ergänzt“ werden. Auch verflüssigtes Erdgas (LNG) sollte in Betracht gezogen werden – und könnte über Terminals in Italien und die Trans-Austria-Gaspipeline nach Österreich kommen. Dank ihrer starken Landwirtschaft könnte die Ukraine in Zukunft zum Biogas-Exporteur werden. Und für den Import von 14 TWh Wasserstoff „bis 2030 müssen die entsprechenden strategischen Kooperationen mit potenziellen Exportländern etabliert und eine wasserstofffreundliche Transportinfrastruktur geschaffen werden“, heißt es in der Analyse.