Die Feierlichkeiten zum Gedenken an den Holocaust wurden in Israel fortgesetzt. Im ganzen Land heulten am Morgen Sirenen, viele Autos blieben stehen. Bundestagspräsident Bas legte am Denkmal Yad Vashem einen Kranz nieder.

Israel ehrte die Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die im Holocaust getötet wurden. Am Morgen heulten zwei Minuten lang Sirenen in ganz Griechenland. Autos hielten auf den Straßen, Menschen standen still und gedachten der Toten. Anschließend fand in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem eine Gedenkfeier statt, an der Bundestagspräsidentin Bärbel Bas teilnahm. Der Politiker legte im Namen des Bundestages einen Kranz nieder.

Israel ehrt das Andenken an die im Holocaust getöteten Juden

Tagesschau 09:00 Uhr, 28. April 2022

Bass stattet Israel einen dreitägigen Besuch ab. Die Knesset zündete auch eine Kerze zum Gedenken an die Jüdin Irma Nathan an, die vor 80 Jahren aus ihrer Heimatstadt Duisburg deportiert wurde. Sie wurde 1942 von den Nazis ermordet. Auch ihr Mann und ihre beiden Kinder wurden von den Nazis ermordet. Die deutschen Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure töteten im Zweiten Weltkrieg insgesamt sechs Millionen Juden.

„Beispielloses Ereignis in der Geschichte der Menschheit“

Bei der offiziellen Eröffnungsfeier in Yad Vashem am Mittwochnachmittag betonte der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett die Einzigartigkeit des Holocaust. Er sagte, der Holocaust sei ein “beispielloses Ereignis in der Geschichte der Menschheit”, mit dem die schrecklichsten Ereignisse der Zeit und die schwierigsten Kriege nicht verglichen werden könnten. Bennett verwies auf Vergleiche zwischen dem Ukrainekrieg und dem Holocaust.

Während der anderthalbstündigen Zeremonie berichteten Überlebende des Holocaust von ihrem Schicksal und zündeten anschließend große Fackeln an. Nach Angaben der Behörden gibt es in Israel noch 161.400 Holocaust-Überlebende. Das Durchschnittsalter beträgt 85,5 Jahre. Mehr als 1.000 der Betroffenen seien sogar über 100 Jahre alt, sagte er.

Olaf Bock, ARD Warschau, aktuell Auschwitz, in „Marsch der Lebenden“

tagesschau24 15 Uhr, 28. April 2022

„Marsch der Lebenden“ in Polen

Bei einem „Marsch der Lebenden“ in Polen gedachten etwa 2.000 junge Juden aus verschiedenen Ländern der Holocaust-Opfer. Zusammen mit einigen Soa-Überlebenden gingen sie die 3,2 Kilometer lange Strecke von Auschwitz nach Birkenau, dem größten deutschen Vernichtungslager der Nazizeit.

                Auch der polnische Präsident Duda nahm am „Marsch der Lebenden“ teil.  Bild: dpa

Erstmals nach zweijähriger Pause wegen der Corona-Pandemie fand die Erinnerungsveranstaltung wieder statt. Es gab auch acht Überlebende und Flüchtlinge aus der Ukraine. Ein Redner erinnerte an das Leid im benachbarten Polen infolge der russischen Offensive. Zuvor hatte der polnische Präsident Andrzej Duda das Gedenken an die Opfer von Auschwitz gewürdigt. Duda legte einen Kranz an der Todesmauer nieder, wo Gefangene erschossen wurden.

100 Holocaust-Überlebende wanderten aus der Ukraine aus

Nach Angaben der Jewish Claims Conference sind seit Kriegsbeginn etwa 100 Holocaust-Überlebende aus der Ukraine nach Israel eingewandert. Zudem wurden rund 70 Betroffene mit Hilfe der Organisation aus der Ukraine nach Deutschland transportiert. Die Claims Conference mit Sitz in New York hat den Betroffenen eine materielle Entschädigung zugesagt.

Nach israelischen Angaben lebten Ende 2020 weltweit 15,2 Millionen Juden, die meisten davon – 6,9 Millionen – in Israel. Die zweitgrößte jüdische Gemeinde von sechs Millionen befand sich in den Vereinigten Staaten. Damals lebten 118.000 Juden in Deutschland. Infolgedessen gibt es noch weniger Juden auf der Welt als vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals seien es 16,6 Millionen gewesen, sagte er.

Holocaust-Gedenktag in Israel

Tim Aßmann, ARD Tel Aviv, 28.04.2022 10:49 Uhr