28.4.2022, 19:42 Uhr

Die Debatte um Sexismus in der Linkspartei bekommt neue Nahrung. Die Bundestagsabgeordnete Martina Renner sieht ein Klima, das ihre eigene Partei beleidigt. Die Slogans sind als „Quadrate“ getarnt, sollen aber vor allem Frauen verärgern. Und das funktioniert bei manchen. Nach Sexismusvorwürfen gegen die Linke klagte auch ein Bundestagsabgeordneter über Probleme innerhalb der Fraktion. „Es herrscht ein Grundklima, das auch zu missbräuchlichem Verhalten anregt. Es gibt Männer in der Fraktion, die alles nehmen und nie dafür sanktioniert wurden“, sagte die Abgeordnete Martina Renner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Seit ich im Bundestag bin, kenne ich Fälle von männlichen Abgeordneten, die Kolleginnen angreifen. Es gibt sexuelle Kommentare über Beine oder Brust von Abgeordneten und wie provozierend und stimulierend sie sind“, sagte ein Abgeordneter. Solche Äußerungen werden oft als “Quittungen” getarnt, aber in Wirklichkeit sind sie Macht. „Das ist die Sorge und Unterschätzung von Frauen in inhaltlichen, politischen und strategischen Konflikten“, sagte sie. Und das funktioniert teilweise. Sie führt dazu, dass sich Frauen immer wieder auf diese Konflikte zurückziehen. Zudem sei von Hierarchien und patriarchalischen Strukturen in der Fraktion keine Rede, sagte Renner, die seit 2013 Abgeordnete im Bundestag ist. „Gerade wir Linke haben als feministische Partei tatsächlich andere Ansprüche an uns selbst. ”

Teamleiter ohne Kenntnisse

Die Fraktionsvorsitzenden Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch sowie der Parlamentssekretär Jan Korte erklärten auf Anfrage des RND, ihnen seien bisher keine Vorwürfe des sexistischen und sexuellen Missbrauchs gegen Mitglieder der Fraktion bekannt gewesen. „Wir sehen keinen strukturellen Sexismus in unserer Gruppe“, sagten sie. In dem Bericht verwies der RND auf weitere weibliche Abgeordnete mit Vorwürfen, die nicht genannt wurden. Die Partei war in den vergangenen Wochen wegen ähnlicher Sexismusvorwürfe des Landesverbands Hessen in die Kritik geraten. Einer der Gründe, warum Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow zurückgetreten ist. Die zweite Co-Vorsitzende Janine Wissler will die Partei, die bei der Bundestagswahl im September nur 4,9 Prozent der Stimmen erhielt, zunächst alleine führen. Er kündigte eine umfassende Aufklärung zum Sexismus-Verdacht an und wies zugleich die Verschleierungsvorwürfe zurück.